Hier ensteht, Stück für Stück, die O-T-Pedia

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A

 

Ahle 

 

Eine Ahle ist ein spitzes, nadelartiges Instrument um Materialien zu perforieren. In der Orthopädietechnik werden verschiedene Ahlen (Schwertahlen, Rundahlen, Vorstechahlen...) verwendet, um z.B. Leder für Handnähte vorzubereiten.

 

Allgöwer, Unterschenkelentlastungsorthese

 

In den 50er Jahren entwickelte der schweizer Prof. Dr. med Martin Allgöwer eine Unterschenkelentlastungsorthese für komplizierte Frakturen zwischen Malleolengabel und Mittelfuß. Die Orthese besteht aus einer Hülse, die den Unterschenkel von Kniescheibenmitte bis Mitte Muskelbauch des M. gastrocnemius einfasst, einem daran befestigten Gehbügel und einer Fußschale. In der Standphase überträgt die Unterschenkelhülse mit PTB-Fassung (siehe unten) die Körperlast auf den Gehbügel, wodurch der distale Unterschenkel und der Fuß entlastet werden. Für Indikationen, bei denen sowohl Teile des Unterschenkels als auch der Fuß entlastet werden müssen (komplizierte Osteosynthesen, Chondrosen, Knochen-Gelenkserkrankungen, instabile Brüche) ist der Allgöwer-Apparat einsetzbar.

 

In der Ausführung nach Röck und Wenzl kann diese AFO mit einem Teilbelastungsmodul ergänzt werden, wodurch eine gezielte, regulierte Teilbelastung des Fußes möglich ist. Letzteres ist zur Verhinderung von übermäßigem Knochenabbau entscheidend!

 

Andry, Nicolas

 

In der Orthopädie ist Nicolas Andry (1658 - 1742), ein Pariser Medizinprofessor der Spätrenaissance/ Aufklärung, eine zentrale Person. Er führte den Begriff Orthopädie im Jahre 1741 ein, verfasste Schriften zur "Geradererziehung" von Heranwachsenden und ist Urheber des "Bäumchens der Orthopädie". Letzteres stellt einen jungen Baum an einem Pflock dar, der durch ein Seil in eine aufrechte Position wachsen soll. Dieses Sinnbild der Orthopädie ist heute neben dem vitruvianischen Mensch von Leonardo da Vinci das zentrale Symbol des orthopädietechnischen Gewerks. Mit seiner Schrift "Orthopädie, oder die Kunst, Bey Kindern die Ungestaltheit des Leibes zu verhüten und zu verbessern" setzte Andry wichtige Impulse und leitete die Herausbildung der Orthopädie als eigenständiges, medizinisches Fachgebiet ein.

B

 

Bandage

 

In der Orthopädietechnik bezeichnet dieser Begriff ein flexibles Hilfsmittel, das ein Körperteil zirkulär "einbindet". Bandagen sind heutzutage meist konfektionierte Hilfsmittel. Die primäre Funktion einer Bandage liegt in der Steigerung der Propriozeption (Eigenwahrnehmung) wodurch das umschlossene Körperteil stärker wahrgenommen bzw. geschont wird und ein erhöhter Ruhetonus (Muskelgrundspannung) entsteht. Damit wird dem Körper geholfen durch die eigenen Muskeln den bandagierten Körperbereich selbst zu stabilisieren. Weitere Funktionen von Bandagen können sein: Perfusionssteigerung und Friktionsmassage.

 

Berlichingen, Gottfried "Götz" von

 

Götz von Berlichingen (1480 - 1562) ging als "Der Mann mit der eisernen Hand" in die Geschichte ein und ist daher in der Orthopädietechnik besonders wegen seiner - für das 16. Jahrhundert sehr modernen - Unterarmprothese bekannt. Durch Schrapnellenteile (Kanonensplitter) verlor von Berlichingen 1504 in einer seiner zahlreichen Fehden seine rechte Hand. Nach seiner Genesung ließ von Berlichingen sich von einem geschickten Schmied eine komplexe, stählerne Prothese bauen, die aus über 200 Einzelteilen bestand und sehr fortschrittliche Funktionen hatte. So konnte von Berlichingen z.B. die künstliche Hand durch einen Schlag auf die Außenseite schlagartig öffnen und Objekte umschließen. Durch Zugfedern im inneren der Prothese konnten leichte Objekte in der geschlossenen Hand gehalten werden. Ob von Berlingen aber mit der eisernen Hand ein Schwert halten konnte, wie in Legenden behauptet wird, ist unwahrscheinlich.

 Biomechanik

 

Der Begriff "Biomechanik" wird je nach Blickwinkel und wissenschaftlicher Disziplin unterschiedlich definiert. Grundsätzlich beschreibt er die mechanischen Vorgänge in oder an lebenden Organsimen. Dabei kann sich das Interesse darauf richten, wie sich ein Organismus verhält, wenn in oder an ihm ein schwach stabiles Gleichgewicht von Kräften besteht (Statik) oder wie ein Organismus sich verhält, wenn die an oder in ihm wirkenden Kräfte eine Bewegung erzeugen (Dynamik).

 

Für die Orthopädietechnik ist jedoch auch wichtig wie sich Hilfsmittel am Körper und mit ihm im Wechselspiel verhalten. Daher könnte eine Definition von "Biomechanik" bezogen auf orthopädietechnische Fragestellungen lauten:

 

Die orthopädietechnische Biomechanik befasst sich mit den mechanischen Vorgängen am und im menschlichen Körper in Wechselwirkung mit Hilfsmitteln.

 

 Bördeln (Umbördeln/ Ausbördeln)

 

Altertümliche Bezeichnung für die Bearbeitung eines Materialrandes. Beim Ausbördeln wird eine Kante durch mechanische oder thermische Bearbeitung großzügig abgerundet, damit z.B. bei Hilfsmitteln Gewebsverletzungen entstehen. Synonym für den Begriff Ausbördeln wird der Begriff Tulpen oder Austulpen in der Orthopädietechnik verwendet. Beim Umbördeln wird der Rand um 180° umgeklappt.

 


C

 

CAT-CAM

 

Abkürzung für Contoured Adducted Trochanteric Controlled Alignment Method und damit die englische Bezeichnung für längsovale Schaftformen. Die englische Bezeichnung beschreibt die kontrollierte Führung von Femur und Trochanter in einer adduzierten Stellung im Schaft. Mehr unter dem Stichwort "längsoval"

 

Cheneau, Jaques 

 

Der französische Arzt Dr. Jaques Cheneau entwickelte 1978 das in der Orthopädietechnik etablierte Cheneau-Korsett. Mittels genau positionierter Druck- und Entlastungszonen kann ein solches Korsett zwei Verkrümmungsdimensionen einer Skoliose (seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule in der Frontalebene und die Torsion der Wirbelsäule in der Longitudinalachse) umfassend therapieren.

 

Clutch-Lock

 

Befestigungsmechanismus für Prothesen mit Liner-Systemen. Hierbei wird der Liner mit dem distalen Anschluss (Pin) durch eine Einzugsschnecke oder ein Zahnrad in der Prothese befestigt. Ein aktives Einziehen des Pins ist durch einen Drehknopf möglich. Die  Arretierung produziert meist keine Geräusche und ist daher eher nicht für Geriatriker oder Sehbehinderte Menschen geeignet.

D

 

Drei-Punkt-Korsett nach Baehler; Bild: Hargasser/ Bellmann

Drei-Punkt-Prinzip

 

Das Drei-Punkt-Prinzip ist ein zentrales, mechanisches Prinzip in der Orthopädietechnik. Es dient zur Fixierung, Korrektur und Bettung veränderter Strukturen des Bewegungsapparates. Bei diesem Prinzip wirken zwei meist gleichgerichtete Kräfte einem Widerlager (Hypomochlion) entgegen. Hierbei entstehen Hebelkräfte, die das Gewebe zwischen den drei Punkten in eine gewünschte Position bringen. Je nach Betrachtungsweise gibt es bei dem Drei-Punkt-Prinzip zwei Druckpunkte und ein Widerlager oder zwei Widerlager und einen Druckpunkt. Beispiele für das Drei-Punkt-Prinzip sind:

 

  • Orthesen bei Genu recurvatum, Genu valgum, Genu varum
  • Das Drei-Punkt-Korsett nach Baehler
  • Drei-Backen-Einlagen
  • Skoliose-Korsette

(nur eine kleine Auswahl)

E

 

Epikondylitisspange

 

Eine "Epi-Spange" ist eine Orthese, die am proximalen Unterarm zangenartig Druck auf die Muskelbäuche ausübt. Mit Hilfe einer solchen Spange werden die Sehnenansatzstellen der Handflexoren und -extensoren an den distalen Humeruskondylen entlastet, um so die Phänomene "Tennisarm" oder "Golferarm" konservativ zu therapieren.

 

EVA

 

Die Abkürzung EVA steht für Ethylenvinylacetat, ein in der Orthopädietechnik weit verbreiteter, copolymerer Kunststoff. Mit Vinylanteilen von 30-90% wird dieser Kunststoff z.B für viele Schaumstoffe verwendet. So bestehen z.B. Polstermaterialien mit den Handelsbezeichnungen Nora-Luna... / Nora-Lunair... (Lunairmed, Lunairflex, Lunalastik, Lunasoft) aus geschäumten EVA-Kunststoffen. Weitere Handelsnamen für EVA-Schaumstoff sind Orthozell (Beil) und Evazote (z.B. Beil/ Schein).

F

 

Fracture-Brace

 

Als Fracture-Brace werden im Allgemeinen solche Orthesen bezeichnet, die als Alternative zu einem Gipsverband unkomplizierte Knochenbrüche schienen und ruhigstellen. Fracture-Braces werden zumeist bei Frakturen eingesetzt, die nicht fragmentiert, nicht artikulär und leicht repositionierbar sind.  

 

Beispiele:

 

Vakoped-Orthese, Humerus-Fracture-Brace, Tibia-Fracture-Brace, Femur-Fracture-Brace, Rippengürtel bei Rippenbrüchen

 

Falzbein 

 

Ein Falzbein (oder auch Spitzknochen) ist ein Instrument, dass in der Orthopädie bevorzugt in der Lederverarbeitung verwendet wird. Mit einem Falzbein wird Leder z.B. in Unterschneidungen gefalzt oder benutzt, um Textilien den Konturen des Hilfsmittels beim Verkleben anzupassen. Auch beim Walken wird das Falzbein benutzt, um das Leder im nassen Zustand an das Modell zu formen.

Gocht'scher Griff

G

 

Gocht, Hermann

 

Bedeutender Orthopäde (1869-1938), der zur Emanzipierung der Orthopädie von der Chirurgie beigetragen hat. Gocht war u.a. Begründer der Abteilung Orthopädie an der Charité und Autor wichtiger Fachbücher des frühen 20. Jahrhunderts wie z.B. "Künstliche Glieder" (1907) und "Orthopädische Technik" (1917). Gocht entwickelte den nach ihm benannten "Gochtschen (Hand)griff" bei der Abformung von Oberschenkelstümpfen (Gipsnegative).

Greissinger-Fuß

 

Der Greissinger-Fuß ist ein allseitig beweglicher Prothesenfuß, der aus Schaumstoff, Holzkern und einem gummigelagerten Greissinger-Adapter besteht.

H

 

Habermann, A.

 

Orthopädiemechniker (1891-1963), der zusammen mit dem Orthopäden F. Schede eines der ersten polyzentrischen Kniegelenke (ein Bremsknie) in der Oberschenkelprothetik konstruierte. Darüber hinaus entwickelte A. Habermann zusammen mit G. Hohmann die Becken-Kreuzgurt-Spange.

 

Habermann, Hellmut

 

Erster Leiter und Mitbegründer der Bundesfachschule für Orthopädietechnik (damals in Frakfurt) und Fachmann auf dem Gebiet der klinisch-technischen Orthopädie der unteren Extremitäten.

 

Hanausek

 

Orthopäde, der Mitte des 20. Jahrhunderts in der damaligen Tschechoslowakei einen Apparat entwickelte (Hanausek-Apparat), mit dem stark ausgeprägte, kindliche Hüftdysplasien therapiert werden.

Heine, Johann Georg

 

Johann Georg Heine (1771 -1838) war ein bedeutender, medizinischer Handwerker, der nach heutigen Begriffen als der wichtigste "Orthopädiemechaniker und Bandagisten der Aufklärung" in Deutschland bezeichnet werden kann. Heine lernte das Handwerk des Messerschmieds und entwickelte nach Jahren der Wanderschaft Körperersatzstücke, Korsette, Streckliegen und sogar Körperersatzstücke (Prothesen). Mit seiner Veröffentlichung "Systematisches Verzeichnis chirurgischer Instrumente, Bandagen und Maschinen" setzte er Maßstäbe für weitere, orthopädietechnische Entwicklungen und wurde so eine zentrale Figur in der Begründung der Orthopädie in Deutschland. In späteren Jahren versuchte der Handwerker Heine ohne eine klassische, medizinische Ausbildung ärztliche Therapien durchzuführen. Dies führte zunächst in Deutschland und dann in den Niederlanden zu einem Bruch mit der Ärzteschaft und einer Beschädigung seines Rufs.

Hessing, Friedrich von

 

Der versierte Handwerker Friedrich von Hessing (1838-1918) gilt Anfang des 20. Jahrhunderts als der bedeutendste Orthopädiemechaniker in Deutschland. In einer eigenen Heilanstalt therapierte Hessing durch orthopädische Hilfsmittel tausende Erkrankte und entwickelte u.a. den Hessingapparat (ein Schienenhülsenapparat in Stahl-Leder-Technik für die unteren Extremitäten) und das Hessingkorsett (ein Stützkorsett bei Deformitäten und Lähmungen). Auch der so genannte Hessingschuh (ein knöchelumgreifender Walkschuh) ist von dem begabten Handwerker entwickelt worden. Vielfach wird Hessing in der Literatur "Laienorthopäde" genannt, da er von seiner Ausbildung her Orgelbauer war. Dem handwerlichen Können und den Erfolgen seiner Therapien wird diese Bezeichnung jedoch nicht gerecht!

 

Hohmann, Georg

 

Karl Georg Gottlieb Hohmann (1880 - 1970) war ein bedeutender Orthopäde und Chirurg des 20.Jahrhunderts. Die Orthopädietechnik bereicherte Hohmann mit zahlreichen Veröffentlichungen und Innovationen und ist somit einer von vielen deutschen Persönlichkeiten, die Deutschland im 20. Jahrhundert zu dem Ruf verhalfen, eines der fortschrittlichsten Länder für die Orthopädietechnik zu sein.

 

Hohmann, Dietrich

 

Bedeutender, Erlanger Orthopäde und Mitherausgeber des Standardwerks "Orthopädische Technik".



I

 

ISNY-Schaft

ISNY-Schaft

 

Der ISNY-Schaft ist eine Variation der querovalen Schaftform und wurde in den 80er Jahren in einer Kooperation von europäischen (Island und Skandinavien) und nordamerikanischen (New York) Technikern entwickelt. Der ursprüngliche Erfinder KRISTINESSON hatte das Ziel einen Schaft zu entwickeln, der den Sitzkomfort und die Prothesen- bzw. Eigenwahrnehmung verbessern und eine bessere Aufhängung der Prothese gewährleisten sollte. Er entwickelte mit seinen Kollegen einen Schaft, der aus einem flexiblen Innenschaft (thermoplastischem Material) und einer starren Karbonfaserspange darüber besteht, die nach lateral offen ist.

ISO-Einteilung von Orthesen

 

Im Rahmen der weltweiten Vereinheitlichung von Fachbegriffen werden seit 1989 Orthesen nach einer ISO Norm einheitlich bezeichnet. Die ISO (=Internationale Organisation für Normung) teilt Orthesen in dieser Bestimmung nach Körpersegmenten ein.

 

Am Rumpf sind die Segmente nach den Wirbelsäulenabschnitten eingeteilt (cervical, thoracal, lumbal und sacro-iliacal). Bei den unteren Extremitäten wird nach den Bereichen Hip, Knee, Ankle und Foot kategorisiert. Auch Orthesen für die oberen Extremitäten sind nach englischen Begriffen kategorisiert (Finger, Hand, Wrist, Ellbow, Shoulder).

 

Je nachdem, welche Körpersegmente eingeschlossen sind, besteht der ISO-Name einer Orthese aus Buchstabenkombinationen wie z.B. HKAFO (Hip-knee-ankle-foot orthosis).

J

John-Überbrückungsmieder

 

Das Überbrückungsmieder nach John ist eine TLSO (siehe ISO-Klassifizierung), die bei Erkrankungen der Lendenwirbelsäule eingesetzt wird, wie z.B. Spondylolyse, Wirbelgleiten, Facettensyndrom und Degenerationen der Bandscheiben im Lumbalbereich. Die Orthese besteht aus einem ventralen Stoffteil und einer stabilen, dorsalen Rumpfspange aus Metall oder Kunststoff.

 

Die Bezeichnung "Überbrückungsmieder" drückt aus, dass der erkrankte Bereich der Wirbelsäule "überbrückt" wird. Der thoraco-lumbo-sacrale Abschnitt des Rumpfes wird durch die Orthese ruhig gestellt und Teile der supra-thorakalen Last über die Rumpfspange auf das Becken übertragen, wodurch der erkrankte Bereich entlastet wird.

K

KBM-Schaftform

KBM (Kondylen-Bettung Münster)

 

Die Kondylen-Bettung Münster wurde 1966 von Kuhn und Schettler im Münsterland entwickelt. Der Stumpf sitzt bei dieser transtibialen Schaftform in einem Weichwandinnentrichter, der in dem laminierten Prothesenschaft lagert. Bis zur Entwicklung der KBM wurden Unterschenkelprothesen mittels Oberschenkelschaft oder Kondylenbandage (siehe PTB-Schaft) in der Schwungphase am Stumpf gehalten. Zur Lösung dieses Problems entwickelten die Münsteraner eine suprakondyläre Spange, die mittels einer wulstartigen Pelotte über dem medialen Gelenkkondylus und einem lateralen Gegenhalt am Femur die Prothese am Bein hielt. KBM-Prothesen sind auch heute noch nicht aus der Unterschenkelprothetik weg zu denken!

L

 

Längsoval 

 

Als längsoval werden in der Orthopädietechnik solche Schaftformen bezeichnet, die in Richtung der Sagittalebene ovalartig geformt sind. Synonym für diese Schaftform wird auch der Begriff "CAT-CAM" verwendet.

 

Längsovale Schaftformen gehören zu den zeitgemäßen Schaftformen in der Oberschenkelprothetik und lassen sich aus folgenden Gründen deutlich von querovalen Schaftformen abgrenzen: Sie kommen ohne eine Tuberbank aus, verteilen die Körperlast auf mehrere "Abfangmechanismen" und die Oberschenkelmuskulatur wird - im Gegensatz zu querovalen Schaftformen - in ihrer natürlichen Form gelagert. Dies verhindert die Entstehung von Perfusionsstörungen und potentielle Muskelatrophien.

 

CAT-CAM-Schäfte werden durch Formschluss und eine so genannte „knöcherne Verblockung“ (Bony Lock) am Stumpf gehalten.

 

Lanyard-System (Prothetik)

 

Ein Lanyard-System ist eine Befestigungssystem für Prothesen mit Liner-Technologie. Hierbei dient eine am Liner befestigte Kordel zum Einziehen des Stumpfes in den Schaft.

L.A.S.A.R. Posture

 

Die Abkürzung L.A.S.A.R. steht für Laser Assisted Static Alignment Refererence und kann als laserunterstütztes Ausrichtungsinstrument zur Darstellung der statischen Lastlinie übersetzt werden. Das L.A.S.A.R. Posture besteht aus einer Kraftmessplatte, einem in seiner Position mobilen Laser und einer Bedieneinheit. Die Kraftmessplatte misst die Gewichtskraft der darauf positionierten Person und ermittelt die Position ihrer Schwerlastlinie*. Da diese Linie bei jedem Mensch unterschiedlich liegt, von sehr vielen Faktoren abhängig ist und sich je nach Haltung verlagert, stellt sich der eingebaute Laser immer auf die individuelle Schwerlastlinie ein und wandert bei Verlagerung mit. Das L.A.S.A.R. Posture wurde in den 90er Jahren von einem Team unter der Leitung von Prof. Dr. S. Blumentritt für Otto Bock entwickelt und ist aus der qualitätsorientierten Orthopädietechnik nicht mehr weg zu denken.

 

 

 

*(genauer: die verikale Komponente der Bodenreaktionskraft)

M

 

M.A.S.-Schaft

 

Der M.A.S.-Schaft (Marlo Anatomical Socket) ist eine Variation bzw. Weiterentwicklung des längsovalen Schafts. Marlo Ortiz löste mit der Entwicklung des M.A.S.-Schafts typische Probleme längsovaler Schaftformen, wie z.B. unbequeme Sitzverhältnisse, mangelnde Rotationsstabilität des Stumpfes im Schaft und damit die Problematik der "Führbarkeit" der Prothese und eine größeren Bewegungsumfang in der Sagittalebene.

 

Der M.A.S.-Schaft zeichnet sich durch eine sehr genau platzierte und genau begrenzete mediale Tuberumfassung aus (ein Art „Öhrchen“), die in Opposition zu einer hochgezogenen Trochanterspange liegt. Im Gegensatz zum traditionellen CAT-CAM-Schaft hält der Schaft eher durch eine muskuläre Verblockung des Stumpfes im Schaft als durch das „Bony-Lock“.

 

Mieder

 

Ein Mieder ist ein Hilfsmittel für den Rumpf (flexible Rumpforthese), das aus Stoff und flexiblen Stäben besteht und stabilisieren bzw. immobilisierend auf den Rumpf wirkt. Ein Mieder hat keine Beckenfassung und ist daher deutlich von starren Rumpforthesen abzugrenzen. Auch eine Leibbinde ist nicht mit einem Mieder zu verwechseln!

N

 

Nähkloben

 

Der Nähkloben ist ein ca. 1,2 m langes, hölzernes Klemminstrument in der Bandagistenwerkstatt. Der Nähkloben wird zwischen die Beine geklemmt, um z.B. Handnähte an Lederteilen zu nähen.

Nähkloben

Nietert, Prof. Dr.-Ing. Madfred

 

Prof. Dr.-Ing. M. Nietert hat für die Orthopädietechnik besondere Bedeutung. In den 70er Jahren veröffentlichte Nietert wissenschaftliche Untersuchungen zur Biomechanik des menschlichen Knies und beschrieb darin die Position des Kompromissdrehpunkts des Knies. Dieser Punkt befindet sich in der Sagittalebene ca. 18-25 mm oberhalb des Kniespalts und auf der 60-40%-Grenze des a-p Kniedurchmesser (siehe Abbildung)

O

 

Orthese

 

Eine Orthese ist ein Krafträger, der an einem äußerlich vollständigem Körper/ Körperteil angebracht ist. Nach der ISO 8549 werden Orthesen nach ihrer Funktion in neun verschiedene Kategorien eingeteilt (siehe Abbildung) und in einer Nomenklatur (Ordnungssystem) systematisiert. Diese Nomenklatur ist in englischer Sprache verfasst und gibt an, welche Körperbereiche von einer Orthese umfasst sein können. So wird z.B. eine Orthese, die den Fuß und den Unterschenkel umfasst als AFO (Ankle-Foot Orthosis) oder eine Unterarm-Handorthese als WHO (Wrist-Hand Orthosis) bezeichnet.

ISO-Einteilung von Orthesen nach ihren Funktionen

Orthopädietechnische Prinzipien / Grundkonzepte

 

In der Orthopädietechnik gibt es immer wiederkehrende Konzepte oder Prinzipien, die in vielen Hilfsmitteln Anwendung finden. Das nebenstehende Mind Map gibt einen Überblick über häufig angewandte Konzepte.

 

Das Drei-Punkt-Prinzip ist eines der wichtigsten Grundprinzipien, bei dem drei Punkte Hebelkräfte auf das dazwischenliegende Gewebe ausüben, um eine Korrektur, Lagerung oder Bettung zu erreichen (siehe oben in OT-Pedia).

 

Ziel vieler Hilfsmittel ist es, Kräfte oder Lasten am Körper zu verändern (Grundprinzip "Kraft-/ Lastveränderung"). Kräfte können beispielsweise durch Lastumlenkung von erkranktem Gewebe auf kompensierende Strukturen übertragen werden (z.B. Allgöwer-Apparat, siehe oben). Ferner können Kräfte durch Hilfsmittel verteilt werden, um lokale Kraftspitzen zu verringern (z.B. Diabetische Fußbettung). Auch das Prinzip der  Lastbefreiung findet sich in Hilfsmittel häufig wieder, um die Heilung erkrankten Gewebes zu fördern oder Schmerzen zu verhindern (z.B. Fersensporneinlage).

 

Von zentraler Bedeutung für die Orthopädietechnik und Bandagistik ist auch das Grundprinzip "Kompression", das häufig Anwendung findet. Sowohl Bandagen und Kompressionsstrümpfe, die die Perfusion und Propriozeption erhöhen sollen, als auch Rumpforthesen mit Bauchpressen (Masserverschiebungen der inneren Organe) und nicht zuletzt Frakturorthesen arbeit nach diesem Prinzip.

 

Das Grundprinzip "Extension" findet sich in solchen Hilfsmittel wieder, bei denen streckende Kräfte aufgebaut werden, um Gewebe zu entlasten. Beispiele hierfür sind die Erlanger Orthesenbandage und Zervikalstützen.

 


OVst

 

Die Abkürzung OVst steht für Orthopädische Versorgungsstellen. Als Teil der Versorgungsämter stellen OVst nach Vorgabe des Bundesversorgungsgesetzes sicher, dass z.B Kriegsopfer mit orthopädischen Hilfsmittel versorgt werden. In den einzelnen Bundesländern unterscheiden sich jedoch die Aufgaben der Versorgungsämter aufgrund Länderhoheit in der Verwaltungskompetenz.

 

Bei der orthopädietechnischen Versorgung Kriegsversehrten spielen die OVst die Rolle der Genehmigung bzw. Abnahme der Hergestellten Hilfsmittel.

P

 

Pelotte

 

Eine Pelotte ist der orthopädietechnische bzw. bandagistische Fachbegriff für Polsterungen, Abstützungen, Vorsprünge oder sonstige Konvexitäten, die Gewebe oder Körperteile in ein korrigierende, entlastende oder bettende Position bringen. Beispiele sind retrokapitale Pelotten zur Abstützung des Quergewölbes, Bruchpelotten zur mechanischen Reponierung von Hernien, Rückenstützpelotten in Rumpfbandagen, Friktionspelotten in Bandagen für die Extremitäten und Abduktionspelotten in Sitzschalen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Der Begriff Pelotte wird zudem häufig in Verbindung mit dem Drei-Punkt-Prinzip verwendet. Jeder der drei Druckpunkte bei diesem Prinzip kann grundsätzlich als Pelotte bezeichnet werden.

 

Pelottenkluppe

 

Eine Pelottenkluppe ist eine Niethilfe für Pelottenknöpfe. Die Kluppe wird in einen Schraubstock gespannt. Der Hals des Pelottenknopfes wird in der Kluppe so gefasst, dass der Pelottenknopf kopfüber arretiert ist, um diesen sicher im Werkstück vernieten zu können.

 

Prothese

 

Der Begriff Prothese bezeichnet den Ersatz fehlender, anatomischer Strukturen. Im Allgemeinen wird der Begriff Prothese mit Gliedmaßenersatz gleichgesetzt, was jedoch begrifflich ungenau ist. Prothesen können ganze Organe ersetzen (z.B. Brustprothesen oder Totalprothesen in der Zahntechnik), Organteile (z.B. Hüftendoprothesen oder Knieendoprothesen) oder ganze Gliedmaßen (z.B. transfemorale/ transtibiale Beinprothesen). Nach dem Einsatzort wird zwischen Endoprothesen (im Körperinneren eingesetzt) und Exoprothesen (außen am Körper angebracht) unterschieden. Nach den technologischen Eigenschaften kann man mechanische, myoelektrische und osseointegrierte Prothesen unterscheiden.

 

PTB ( Patella-Tendon-Bearing ) Schaft PTB-Schaftform

PTB-Schaft

 

Die Abkürzung PTB steht für Patella-Tendon-Bearing und beschreibt das Stützprinzip einer Schaftform (Unterschenkelprothese), die im Jahre 1957 von Radcliff und Foort (USA) entwickelt wurde. Die Lastaufnahme bei dieser Schaftform wird über die Patellasehne zwischen Schienbeinrauhigkeit und Kniescheibenunterkante gewährleistet. Eine PTB-Kurzprothese wird traditionell mit einer Riemenbandage oberhalb der Femurkondylen am Bein gehalten, damit die Prothese während der Schwungphase nicht vom Stumpf rutscht. Die Kondylenbandage wird am Schaft auf Höhe des Nietert'schen Kompromissdrehpunktes befestigt und erlaubt somit eine kongruente Flexion der Prothese. Die Kondylenbandage ist vorne oder seitlich mit einem Klettverschluss oder einer Schnalle verschließbar.

 

Auch in Orthesen (untere Extremität) findet sich das PTB-Prinzip wieder: Der so genannte Allgöwer-Apparat fasst den Unterschenkel nach diesem Prinzip und entlastet so die weiter distal liegenden Gewebsstrukturen.

 

 

PTS-Schaft

 

Ähnlich wie beim KBM-Schaft umfasst auch der Prothese Tibiale Suprakondylienne-Schaft nach Fajal (1964) die distalen Femurkondylen und verhindert so das Abgleiten der Prothese in der Schwungphase. Der Unterschied dieser Schaftform zum KBM-Schaft liegt jedoch in der Einbeziehung der Patella in den Schaft.

 

Der PTS-Schaft hat in der modernen Orthopädietechnik an Bedeutung verloren, da sich herausstellte, dass die Kniescheibe zur Lastaufnahme nicht geeignet ist. Zum einen führt die Einfassung der Patella in den Schaft zu einer Streckhemmung im Knie, was die Sicherbarkeit des Knies einschränkt. Zum anderen kann dauerhafter Druck auf die Kniescheibe zu unvorteilhaften Um- und Abbauprozessen an ihrer Knochensubstanz führen.

 

Q

queroval

 

Als queroval werden in der Orthopädietechnik solche Schaftformen bezeichnet, die quer zur Sagittalebene ovalartig geformt sind. Querovale Schaftformen gehören zu den traditionellen Bauweise in der Oberschenkelprothetik. Dabei wird dem Stumpf eine nach lateral ausgeweitete Trapezform vorgegeben. Die Lastübertragung auf die Prothese übernimmt ein dorso-medialer Tuberaufsitz, dem eine ventrale Pelotte gegenüber liegt.

R

 

Reifelholz

 

Ein Reifelholz ist ein Kantenbearbeitungsinstrument für Leder. Mit einem Reifelholz werden nach dem Lederzuschnitt die Kanten des Leders unter starkem Druck abgefahren, womit die Lederkante verdichtet wird.

 

Roser-Nélaton-Linie

 

Erstmals wurde diese Linie im Jahre 1846 von dem deutschen Chirurgen Wilhelm Ferdinant Roser (1817-1888) beschrieben. Auch der französische Arzt Auguste Nélaton (1807-1873) beschrieb diese Linie, weshalb sie - um beide Ärzte zu ehren - Roser-Nélaton-Linie genannt wird.

 

Es handelt sich bei der Linie um eine Verbindung zwischen dem vorderen, oberen Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior) und dem Sitzbeinhöcker (Tuber ossis ischii) in der Sagittalebene. Im Normalfall kreuzt diese Linie die Spitze des großen Rollhügels (Trochanter major), die gleichzeitig den Durchstoßpunkt der mechanischen Hüftachse darstellt. Bei adipösen Patienten oder solchen, bei denen der Trochanter major schlecht tastbar ist, kann die Roser-Nélaton-Linie dazu dienen, den mechnischen Hüftdrehpunkt in der Sagittalebene zu finden (Flexion/ Extension der Hüfte).

 

Shuttle-Lock

 

Befestigungsmechanismus für Prothesen mit Liner-Systemen. Hierbei wird der Liner mit dem distalen Anschluss (Pin) durch eine Raserklemme im Prothesenschaft arretiert. Im Gegensatz zu einem Clutch-Lock ist mit diesem Befestigungssystem kein aktives Einziehen möglich. Die Arretierung produziert meist „Klick“-Geräusche und ist daher gut für Geriatriker und Sehbehinderte geeignet.

 

Spitzknochen 

siehe Falzbein

Der Schrittzyklus in den drei Raumebenen

S

 

Schrittzyklus (Gangzyklus)

 

Bei Betrachtungen des menschlichen Bewegungsablaufes hat die Kategorie "Schrittzyklus" eine große Bedeutung. Hierbei wird der menschliche Gang in  Phasen unterteilt, um seine Einzelaspekte genau analysieren zu können.

 

Der Gang kann grob in zwei Phasen unterteilt werden: Standphase (60% eines Schittes) und Schwungphase (40% eines Schrittes). Diese beiden Hauptphasen werden wiederum in kleinere Unterphasen eingeteilt (siehe Abbildung). 

 

Eine genaue Analyse des menschlichen Gangs und seiner Abweichungen verlangt viel Erfahrung, da eine Vielzahl an Gelenken und Muskeln beteiligt sind. Die Betrachtung der knöchernen- und gelenkigen Bewegungen ind den drei Raumebenen gehört zum Basiswissen und ermöglicht die Analyse grober Ganganomalien.

 

 

T

 

Textilien (in der Orthopäditechnik)  

 

                                                 Autoren: Ingo Z./ Verena H. & Co., SZ-Walle

 

In der Orthopädietechnik kommen viele unterschiedliche Textilien vor. Bei einer solchen Vielfalt ist es wichtig zu wissen, welche Eigenschaften und welchen Ursprung sie haben, denn die Wahl der Textilien hat unmittelbaren Einfluss auf die Wirkungsweise der Hilfsmittel.

 

Textile Fasern kommen grundsätzlich in natürlicher Form vor oder werden chemisch synthetisiert. Durch Kombination verschiedener Faserarten entstehen Textilien mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Typische Textilien in der Orthopädie- und Rehatechnik sowie Bandagistik sind Drell, Köper, Neopren, Abstandsgewirke, elastsiches Tüll, Velcro (Klettband), Satin, Frottee, Bezugsstoffe und Kunstleder, um nur einige zu nennen.

 

Die folgenden Beispiele zeigen, wie komplex die Fasermischungen sind und welche Eigeschaften daraus resultieren.

 

Beispiel 1: Genu Pro Comfort von Thuasne/ Thämert

 

Materialmenge   
Textilart  Herkunft Eigenschaften      
45 %
Viskose Natürliche Kunstfaser (Cellulose)

+ nimmt  

   Feuchtigkeit auf
+ hautsympathisch
+ gut waschbar
+ weicher Griff

14 %
Elastodien Milchsaft des Kautschukbaums (Latex)

+ zugelastisch
+ strapazierfähig

- viskoelastisch

  bei hohen

  Themperaturen

- allergene

  Eigenschaften

19 % Elastan chemische Faser

+ zugelastisch

+ strapazierfähig

+ unbedenklich  

   für Allergiker

22 % Polyester chemische Faser + formbeständig
+ knitterarm
+ zugfest
+ strapazierfähig
+ gut waschbar

- durch statische 

  Aufladung

  schmutz- 

  empfindlich     

Tulpen (Austulpen)  

 

Siehe "Bördeln"

U

 

Überbrückungsmieder

 

Ein Überbrückungsmieder ist eine TLSO (Thoraco-lubo-sacral orthosis). Der Wortteil "Überbrückungs-" drückt aus, dass der erkrankte Bereich der Wirbelsäule "überbrückt" wird. Der thoraco-lumbo-sacrale Abschnitt des Rumpfes wird durch die Orthese ruhig gestellt und Teile der supra-thorakalen Last über die Rumpfspange auf das Becken übertragen, wodurch der erkrankte Bereich entlastet wird.

 

Überbrückungsmieder werden traditionell in den Ausführungen nach Hohmann oder nach John gebaut.

 

Uhlig, Ralf

 

Erlanger Orthopädie-Ingenieur und Mitherausgeber des Standardwerks "Orthopädische Technik". Uhlig war u.a. von 1961-1974 Leiter der Bundesfachschule für Orthopädietechnik und Mitentwickler der so genannten Erlanger Orthesenbandage.

 

UKB (Unterschenkel Kunstbein)

 

Die Abkürzung UKB ist in der Orthopädietechnik die Abkürzung für den  altertümlichen Begriff Unterschenkel Kunstbein. Die korrekte Bezeichnung für Prothesen bei transtibialen Ampuationen lautet heutzutage Kurzprothese in Modularbauweise. Nichtsdestotrotz wird die Abkürzung UKB noch heute in vielen Betrieben verwendet und hat sich im orthopädietechnischen Sprachgebrauch festgesetzt.

V

 

Van-Rosen-Splint

 

Bei diesem Hilfsmittel handelt es sich um eine Orthese zur konservativen Korrektur der kindlichen Hüftdysplasie. Ähnlich wie seine orthetischen Alternativen (z.B. Tübinger-Schiene oder Hoffmann-Daimler-Bandage) bewirkt der Van-Rosen-Splint eine Abduktion der Beine im Hüftgelenk und bewirkt somit die nachträgliche, vollständige Ausreifung der Hüftgelenkspfanne.

W

 

Walkschuh

 

Ein Walkschuh ist eine knöchelübergreifende Fußfassung aus Walk- und Futterleder. Der Walkschuh ist meist Teil einer AFO oder KAFO in traditioneller Bauweise (Stahl-Leder-Technik) oder findet sich als ledernes Element in Karbonfaserapparaten der unteren Extremität. Walkschuhe sind meist mit einer Fersennaht versehen, die "auf Stoß" vernäht ist. Am Fußrücken ist ein Walkschuh mir einer Lederlasche versehen und wird traditionell mit einer Schnürung verschlossen.

X

 

X-Stellung

 

Auch "Valgus-Stellung" genannt. Dieser Begriff bezeichnet die Abweichung einer Achse hin zur Medianebene. Bei doppelseitiger Abweichung entsteht so eine X-förmige Struktur. In der Orthopädietechnik wird dieser Begriff zumeist im Zusammenhang mit Achsabweichungen der unteren Extremitäten verwendet.

 

Beispiele:

 

  • Bei einem "Fersen-valgus" weicht die Achse der Achillessehne oberhalb ihres Ansatzes am Fersenhöcker zur Medianebene ab. 
  • Bei einem valgisierten Kniegelenk (Genu valgum) weicht die Längsachse des Beins auf Höhe des Kniespaltes zu Medianebene hin ab.
  • Ein valgisierter Schenkelhals (Femur) zeichnet sich durch einen stumpferen Winkel zwischen medialer Femurdiaphyse und Schenkelhals aus (< 120°)

Z

 

Zervikalstütze

 

Eine Zervikalstütze (auch Cervicalstütze) ist eine fixierendes und/ oder extendierendes Hilfsmittel, was bei Beschwerden und Läsionen der Halswirbelsäule eingesetzt wird. In der ISO-Norm zur Einteilung von Orthesen werden Zervikalstützen mit den Buchstaben CO abgekürzt (Cervical orthosis). Zervikalstützen werden als einfache, weiche Halskrawatten mit geringer Fixierung, aber auch als höhenverstellbare, extendierende Orthesen angeboten, die bei schweren Schleudertraumata Anwendung finden.

Besuch im Tuchmacher-Museum Bramsche

 

In enger Kooperation mit dem Softwarehersteller CONTEMPLAS ensteht derzeit ein Haltungs- und Ganganalyselabor am Schulzentrum Walle. CONTEMPLAS fördert die Ausbildung an unserem Schulzentrum, indem neueste Softwaremodule gespendet werden, die eine qualitätsorientierte und valide Analyse des menschlichen Gangs ermöglichen.

Durch die großzügige Spende von CONTEMPLAS lernen unsere Auszubildenden nun nachhaltig die Anwendung der Analysesoftware TEMPLO und entwickeln ein ausgeprägtes Verständnis über den menschlichen Gang.